KAPITEL V Teil 1
Nachdem
Spike am Tage nach der Bierprobe wieder zum Leben erwacht war, sah er Buffy
beim Reitenlernen zu. Er hatte Gwydion im Kinderwagen dabei und Morgan an der
Hand, was sich natürlich schwierig gestaltete, weil sie immer weglaufen wollte.
Zu den Ferkeln, zu dem weißen Blitz mit den grausigen Augen und zu Max.
Spike
überlegte, ob er sich so ein Geschirr zulegen sollte, wie kleine Hunde es
manchmal trugen, so dass sie nicht weglaufen konnte.
Um sie
zu besänftigen, hielt er sie so hoch, dass sie über die Bande in die Reithalle
schauen konnte, wo Buffy ganz alleine, man sehe und staune, mit ihrem kleinen
Doppelpony übte.
Conny
war natürlich stärker als sie, auch Jägerinnen müssen einsehen, dass ihre Kräfte
natürliche Grenzen haben und dass jedes Pferd, nein sogar jedes Doppelpony
stärker ist als eine Jägerin, zumal wenn man auf ihm sitzt und ihm somit
vollständig ausgeliefert ist.
„Nimm
deinen Hintern“, rief Spike ihr zu. Er rief das natürlich ziemlich leise, um
das Pony Conny nicht zu irritieren.
„Scheiße“
zischte Buffy, die sich nicht wohl dabei fühlte, wenn er sie beobachtete.
„Treib
ihn mit deinem Hintern voran“, wiederholte Spike seine Aufforderung. Er hob
Morgan auf seine Schultern, damit sie Mommy besser zugucken konnte.
„Hinnern
vor!“ sagte Morgan energisch. Buffys Tochter Morgan war wirklich ein
Naturtalent im Reiten, wie es schien.
„Hörst
du, sogar Morgan kann es. Du willst auch reiten, Fee?“ sagte Spike anerkennend
zu seinem kleinen Mädchen.
„Mommy.
Hinnern vor“, sagte die Fee.
„Hast du
das gehört?“ rief Spike Buffy zu. „Morgan hat es kapiert. Wenn sie noch ein
etwas kleineres Pferd hätten, würde ich Morgan drauf setzen...“ Spike musste
sich das Lachen verkneifen, er genoss er richtig, Buffy zu verunsichern.
„Ich
glaube, hier stinkt es nach Bier“, sagte Buffy giftig. „Und so klein ist Conny
gar nicht“, zischte sie in sich hinein, konzentrierte sich auf Andromedas
Ermahnungen und versuchte, einfach diesen lästigen Ehemann und ihre gemeinsame
lästige Tochter zu ignorieren. Was aber gar nicht so einfach war.
„Frauen
sollen angeblich mehr Gefühl im Hintern als Männer haben“. Spike konnte einfach
nicht aufhören, sie zu veräppeln.
„Willst
du damit behaupten, du hättest kein Gefühl im Hintern?“ Buffy versuchte, das
Pferdchen zum Traben zu bringen und klopfte sanft mit beiden Unterschenkeln an
seine Flanken. Und tatsächlich, es fiel in einen leichten Trab. Jetzt nicht
nachlassen. Beine fest angeklammert, damit man von dem Geholper nicht
runterfiel, aber nicht nachlassen, mit dem Hintern das Pferdchen vorwärts zu
schieben. Und in Richtung Trense, damit es kürzer wurde und diesen erhabenen
Gang bekam.
Das war
alles ein bisschen viel auf einmal.
Aber oh
Gott, es klappte, sie hatte es kapiert, und sie musste auch nicht mehr darüber
nachdenken, über diesen ganzen verdammten Ablauf. Anscheinend kapierten die
Pferde es ja auch, und sie war ja wohl nicht blöder als ein Pferd...
„Weiß
nicht“, beantwortetet Spike gerade ihre Frage nach Gefühl in seinem Hintern.
„Was meinst du denn? Du müsstest es doch wissen.“ Irgendwie schaute er
hinterhältig fies dabei.
Woraufhin
sie mit dem Trab ins Stocken kam, denn natürlich konnte sie nicht zugeben, dass
Spike durchaus Gefühl im Hintern besaß, auch bei anderen Sachen...
Also
wieder Schritt. Aber das war zu langweilig. Sie versuchte, Conny ein wenig
schneller gehen zu lassen und probierte dann, mit ihrem Fuß hinten an seine
linke Seite anzuklopfen und mit dem anderen Bein in der Mitte bleiben. Und
tatsächlich rumpelte sich Conny in einen bequemen Galopp hinein. Das war ja
wirklich... Klasse!
„Du bist
echt gut“. Spikes Stimme klang nun bewundernd.
Sie war
echt gut... Hahaha....Das war gerade mal ihre zweite Übungsstunde und das alles
ohne Lehrerin, nur untermalt von den sarkastischen widerlichen Kommentaren
ihres Ehemanns – also dafür ritt sie einfach göttlich!
Nur wie
kriegte man das Doppelpony zum Stehen? Am besten gar nichts mehr machen. Am
besten mit dem Hintern gar nichts mehr antreiben.
Am
besten Spike zum Teufel jagen.
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Kurz
nach Mittag, als die Kinder ihr Mittagsschläfchen hielten, machten sich
Andromeda und Spike zu einem Ausflug zu Pferde auf. Spike wollte das Haus
sehen, in dem Lilah als Kind gelebt hatte.
Buffy
sah den beiden Reitern nach, als sie langsam im Schritt den Hof verließen.
Sie
hatte eigentlich mitreiten wollen, war aber von den beiden abgewiesen worden,
weil ihre Reitkünste noch zu unterentwickelt wären (genau dieser Wortlaut), und
sie vermutete, dass man sie nicht dabei haben wollte.. Aber das Hierbleiben
hatte auch seine Vorteile, denn sie wollte die Gelegenheit nutzen, um in der
Bibliothek ein bisschen in den Büchern herumzustöbern. Da gab es soviel
Interessantes, und man würde Jahre brauchen, um alles zu lesen. Dieser
Stendhal, den Archibald den Schwätzer nannte, war allerdings wirklich
ungenießbar. Wie der Name schon sagte.
Andromeda
ritt einen kräftigen Braunen und Spike einen noch kräftigeren Apfelschimmel,
namens Greyhound, wie Buffy wusste. Spike sah wirklich umwerfend auf diesem
Pferd aus, auf diesem fast weißem Pferd...
Buffy
seufzte auf.
Archibald
kam ein paar Minuten später auch in die Bibliothek und bot ihr an, zu hoch
gelagerte Bücher für sie herunterzuholen. Außerdem empfahl er ihr einiges zum
Lesen.
Archibald
war ein richtiger Gentleman. Im Gegensatz zu Spike.
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Auch
Max, Cousin von Zirza und Verwalter des Gutes, sah den beiden Reitern nach. Er
fühlte sich ausgeschlossen von Andromeda.
Andromeda
war immer sein Mädchen gewesen. Mit Betonung auf ‚Mädchen‘ und nicht auf
‚sein‘. Schon als kleines Kind hatte er sie beschützt. Und auch die
heranwachsende Andromeda hatte er vergöttert.
Die
Frau, die Andromeda einmal werden würde, musste er demnach über alles lieben.
Aber das
konnte nicht sein. Denn es gab keinerlei Hoffnung für seine Liebe. Er musste
sich damit bescheiden, auf sie aufzupassen und sie zu beschützen.
Sie war
in diesen Bill verliebt, und es schien etwas Ernstes zu sein, zum erstenmal
überhaupt. Und es war anders als mit den jungen Burschen, mit denen sie in
ihrem Zimmer vielleicht... Aber das ging ihn nichts an. Seltsamerweise hatte er
nichts gegen Bill, und wenn Andys Verliebtheit in ihn nicht gewesen wäre, hätte
er sich gerne mit ihm angefreundet. Außerdem mochte er Bills Musik. Und was
Bill manchmal auf seiner Gitarre spielte, hörte sich auch recht
vielversprechend an....
Und
außerdem war er, Max, nur wie ein älterer Bruder für sie. Und auch, wenn sich
dieses eines Tages ändern würde, so gab es keine Chance für ihn, denn diese Chance
hatte er selber vor langer Zeit zunichte gemacht. Max starrte vor sich hin.
Hoffentlich
wird sie nicht verletzt, dachte er. Sie schien ja total in diesen Mann verliebt
zu sein, und dieser Mann hatte es noch nicht einmal gemerkt. Oder doch?
Außerdem war der Kerl viel zu alt für Andromeda. Dann fiel es Max siedendheiß
ein, dass er selber genauso alt wie Bill Castaway war. Wieder ein Grund mehr,
alle Wünsche und Träume fahren zu lassen. Es hatte keinen Sinn, Er musste sich
damit begnügen, sie heimlich zu beschützen.
Es gab
keine Hoffnung.
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Andromeda
und Spike kamen früher als erwartet zurück. Spike war auf dem Hinweg sehr
nachdenklich gewesen. Er war nicht nachdenklich, weil er endlich Lilahs Haus
sehen würde, sondern weil er in der Nacht wieder diesen seltsamen
Schwarz-Weiß-Traum geträumt hatte. Nur hatte sich das Schwarz jetzt in ein
dunkles Blau verwandelt und das Weiß in ein helles Hellblau – die Farben waren
diffus. Alles andere war geblieben, die Aufteilung in ein oberes dunkles
Rechteck mit einem hellblauen Kreis in der linken Mitte und in ein unteres
helles Rechteck mit einem dunklen Kreis in der rechten Mitte. Für einen Traum
war es zu statisch und zu unbeweglich, und Spike meinte, eine Grafik zu
betrachten. Eine Grafik, die ihm irgend etwas sagen wollte und ein wenig
bedrohlich in ihrer Schlichtheit aussah. Außerdem strahlte sie eine gewisse
Kälte aus, was aber seltsamerweise nicht bedrohlich aussah.
Sie
hatten sich nicht lange dort aufgehalten, wo Lilah als Kind und später gelebt
hatte. Spike hatte das Haus gesehen. Es war ein schönes Haus, ein
langgestrecktes Steinhaus, natürlich nicht so groß wie das Herrenhaus von
Campe, aber ordentlich groß mit einer Holzveranda um seine Taille, und hinter
dem Haus befand sich eine große Wiese mit vielen Obstbäumen.
Außerdem
machte keiner auf, als sie an der Haustür klingelten.
Spike
spürte in sich einen Verlust, den er gar nicht richtig beschreiben konnte. Dann
begriff er: Sie entglitt ihm. Es hatte keinen Sinn, die Stätten aufzusuchen, an
denen sie gelebt hatte. Das zählte nicht. Er hatte sie nie hier erlebt, alles
was er hier vorgefunden hatte, waren die Erzählungen von Andromeda und den
anderen. Aber er hatte seine eigenen Erinnerungen. Und nur die zählten.
„Wir
sind früher immer mit Lilahs Käfer in der Gegend herumgefahren“, erzählte ihm
Andromeda, als sie im Schritt Richtung Campodia ritten.
„Einen
Käfer hatte sie?“ Spike war verwundert, er hatte Lilah nur mit ihrem Porsche
gekannt, und ein Käfer schien gar nicht zu ihr zu passen.
„Sie hat
mich in richtig vornehme Restaurants mitgenommen“, erzählte Andy munter weiter.
„Und sie war diejenige, die mir das Essen mit Besteck beigebracht hat. Weißt
du, so richtig von außen nach innen... Oder war’s umgekehrt?“
Von
Spike kam keine Resonanz, er dachte immer noch nach. Es stimmte, sie entglitt
ihm. Vielleicht waren sie nicht lange genug zusammengewesen, diese vierzehn
Monate waren nicht sehr viel an Zeit gewesen. Oder ging es jedem
Übriggebliebenen so – denn so fühlte er sich, übrig geblieben und allein
gelassen. Fühlte jeder Alleingelassene, dass nach einer gewissen Zeit die
Trauer verschwand und der Schmerz auch? Vielleicht war das eine natürliche
Reaktion, ein Schutz, um nicht auf Dauer in Trauer und Frust zu versacken.
Aber er
wollte sie nicht vergessen.
Und er
würde sie nie vergessen, auch wenn er jetzt neu anfangen musste, zu leben.
Er hatte
die Kinder. Er hatte seine Tochter kennengelernt.
Er war
mit Buffy verheiratet.
Vielleicht
war es an der Zeit, ein wenig freundlicher zu ihr zu sein.
Andromeda
plapperte unterdes weiter, als ob sie gar nicht merken würde, wie schweigsam
Bill war. Sie hatte anscheinend andere Sorgen.
„Heute
hab ich einem Schulkameraden, Quatsch, Kamerad ist das falsche Wort, eins auf
die Nase gegeben. Er hat einen kleineren Jungen gequält.“
„Find
ich gut, Kitten“, sagte Spike anerkennend.
„Och,
ich weiß nicht“, sagte Andromeda zweifelnd. „Dad findet das bestimmt nicht gut.
Ich hab ihm nämlich das Nasenbein gebrochen. Und er will mich, oder besser
gesagt Dad verklagen.“
„Whoow,
nicht schlecht“, sagte Spike. „Sag mal Kitten, hast du in letzter Zeit das
Gefühl gehabt, stärker geworden zu sein?“
„Kann
sein.“ Andromeda überlegte. Es gefiel ihr sehr gut, dass Bill sie Kitten
nannte. Das hieß, er beschäftigte sich mit ihr. „Stimmt, manchmal zerbreche ich
Sachen, ohne dass ich es will.“
„Und wie
lange schon? Ich meine, wann hast du zum erstenmal gemerkt, dass du... Sachen
zerbrichst?“
„Weiß
nicht. Seit zwei Jahren. Oder noch länger.“ Andromeda verlor das Interesse an
diesem Thema und wandte ihre Gedanken wieder ihrem Vater zu, genauer gesagt der
Reaktion ihres Vater auf eine Schadensersatzklage. Das war nicht das erste Mal.
Andy war so eine Art Rächerin der Enterbten, der Witwen und Waisen und vor
allem der unterprivilegierten Schulkameraden, der Freaks, die nicht in Mode
waren, die kein Geld hatten, um sich Markenklamotten zu kaufen, die in der
Schule lernten statt anzugeben. Und so weiter und sofort. Und vielleicht war
Dad ja auch stolz auf sie. Das hoffte sie jedenfalls. Ihr Dad war in gewissen
Dingen nicht so wie andere Dads.
Sie
erreichten Campodia beide sehr schweigsam. Es war früher Nachmittag
Spike
hatte etwas anderes erwartet und nicht das gefunden, was er erwartet hatte.
Aber statt dessen hatte er etwas ganz anderes gefunden. Falls er sich nicht
täuschte.
Nachdem
sie die Tiere abgesattelt hatten, ihre Rücken mit Stroh abgerieben hatten,
äußerte Spike den Wunsch, vielleicht noch ein bisschen in der Gegend
herumzulaufen, mit den Kindern, mit Buffy und mit Andromeda.
„Klar“,
meinte Andromeda, und sie zogen los, um Buffy und die Kinder zu suchen.
Die
Kinder fanden sie auf der Wiese hinterm Haus, Morgan im Sandkasten, Gwydion in
seinem leichten Kinderwagen, und Tante Mansell passte auf beide auf.
Buffy
fanden sie in der Bibliothek, wo sie sich an einem Werk festgelesen hatte, das
von einem gewissen Umberto Eco stammte und das ‚Das Foucaultsche Pendel’ hieß.
„Ganz
nett“, meinte Spike. „Okkultismus und so ....Aber du wirst feststellen, dass am
Ende nichts außer heißer Luft gewesen ist. Aber interessante heiße Luft. Komm
Leseratte, lass uns lieber ein wenig in die Gegend gehen.“
„Wohin
willst du denn“ fragte Buffy neugierig, sie hatte den dicken Wälzer zur Seite
gelegt und meinte, eine Veränderung an Spike zu spüren. Anscheinend war er
lockerer als sonst.
„Andy
hat gesagt, es gäbe da einen fabelhaften Waldweg nach Shothouse“, sagte Spike
munter. „Also, kommst du?“
„Klar.“
sagte Buffy.
Spike
outete sich sofort als Nichteingeborener, als er am Ortsausgang von Campodia
ein Weiblein, eins dieser blassen Exemplare, das ihn anscheinend nicht kannte,
fragte, ob es auch einen anderen Weg nach Shothouse außer der Hauptstraße,
geben würde.
„Einen
anderen Weg?“ fragte das Weiblein entsetzt und guckte ihn mit weit
aufgerissenen Augen an. „Da werden sie doch nicht hergehen wollen!“
Kopfschüttelnd und vor sich hin murmelnd ging das Weiblein weiter.
„Was zum
Teufel ist los mit diesem Weg, Kitten?“ fragte Spike Andromeda.
„Die
spinnen hier, die alten Weiber“, sagte Andromeda. „Die finden, der Wald ist
unheimlich, und die Straße ist sicher. Ist doch Quatsch. Hier gibt es nichts
außer... vielleicht Wildschweinen.“ Andromeda schüttelte sich ein wenig, denn
eigentlich hatte sie eine panische Angst vor Wildschweinen, eine Angst, die sie
aber nie zugeben würde.
„Wildschweine?“
fragte Buffy nicht gerade begeistert.
Der
fabelhafte Waldweg entpuppte sich als ein, im Gegensatz zur Straße nicht
asphaltierter Weg, der parallel zur Straße verlief. Man konnte zwar die Straße
nicht sehen, aber Spike hatte das Gefühl, dass sie nicht weit wäre.
Sie
schlenderten langsam den ausgetrockneten Waldweg entlang. Er war wirklich
idyllisch. Der Wald an der Ostseite von Campodia, und das war der einzige Wald
Campodias, bestand aus Fichten und Kiefern. Ein richtiger Märchenwald. Spike
hatte zwar noch nie eine Fichte von einer Tanne unterscheiden können, so wie er
keinen Ahorn von einer Platane unterscheiden konnte, aber hierbei war er sich
sicher. Das waren Fichten. Für Tannen wäre das Klima zu trocken und rau
gewesen, und Kiefern wuchsen auch unter den bescheidensten Ansprüchen, ähnlich
wie Birken, von denen es auch ein paar gab. Teilweise sah man dichtes
Unterholz, teilweise sah man heideartige Flecken mit Sträuchern, die noch
Himbeeren trugen, teilweise gab es auch Flecken mit Blaubeeren. Aber alles in
allem schien es ein spartanisches Land zu sein. Und wenn hier nicht soviel Wald
gewesen wäre, dann hätte man die hohen Berge hinter dem Wald sehen können.
Sie
wanderten schweigend dahin. Sogar Morgan war sehr ruhig für ihre Verhältnisse.
Sie untersuchte gerade einen großen Ameisenhaufen, und Spike überlegte, ob das
gefährlich werden könnte. Er dachte an ‚Marabunta’, den Ruf, den die Eingeboren
in Südamerika ausstießen, wenn sich die wilden Kriegsameisen auf ihren
zerstörerischen Weg machten und ganze Landstriche kahl zurückließen. Diese
Ameisenvölker schleiften ihre Königin immer mit sich herum und fraßen alles,
auch größere Tiere, was sie auf ihrem Wege fanden... Grässlicher Gedanke, fand
Spike und scheuchte diesen Gedanken weg. Aber diese Ameisen schienen relativ
harmlose rote Waldameisen zu sein. Allerdings sollte man sich nicht in so einen
Ameisenhaufen setzen...
„Uuuii
schaut mal!“ Alle wurden von Buffys Stimme aufgeschreckt. „Da sind Hasen!!!
Richtige Hasen!!! Und so große!!!“
Spike
und Andromeda blickten vorwärts, konnten aber beim besten Willen keine Hasen
sehen, sondern nur ein paar zierliche Rehe. Vielleicht war Rehe nicht das
richtige Wort, vielleicht war es Damwild oder Rotwild, aber Hasen waren es mit
Sicherheit nicht.
„Brauchst
du ’ne Brille?“ fragte Spike
„Aber
das sind doch Hasen“, Buffy verharrte stur auf ihrer Meinung.
„Du
brauchst wirklich ’ne Brille, Buffy.“
„Und was
soll das sonst sein?“ fragte Buffy unsicher geworden.
„Kennst
du die berühmten Hirschhasen? Die wachsen nur in der Gegend von Campodia. Und
nur ein Mädel namens Buffy kann sie sehen.“ Spike amüsierte sich köstlich.
Buffy war einmalig. Eine Jägerin, die ein Reh nicht von einem Hasen
unterscheiden konnte.
Buffy
schwieg ein wenig verlegen.
Die zwei
Meilen nach Shothouse zogen sich ganz schön hin. Buffy rangierte mit Gwydions
leichtem Kinderwagen auf dem holprigen ausgetrockneten Waldweg herum, und Spike
trug schließlich Morgan, denn die Kleine konnte noch nicht so weit laufen.
„Ich
glaube, wir sind da“, sagte Andromeda nach einer Stunde schließlich. „Da ist
es!“
„Da ist
was!?“ fragten Buffy und Spike wie aus einem Munde, denn sie sahen... nichts.
Oder
doch, bei genauerem Hinsehen, allerdings nur von Spike, (für Buffys Hinsehen
wollen wir keine Garantien geben), sah er doch tatsächlich eine Ansammlung von
vier (VIER??) Häusern, und auch bei genauerem Hingucken wurden es nicht mehr.
„Hier
steppt der Bär“, sagte Spike schließlich.
„Hier
kommt kein Bär hin“, sagte Buffy.
Andromeda
fühlte sich ein wenig schuldig, weil hier so absolut nichts war. Diese
verdammten Städter erwarteten immer so spektakuläre Sachen. Urplötzlich
verspürte Andromeda Sehnsucht nach Max, nach Max, der die Gegend hier kannte
und überhaupt nichts von der Gegend erwartete. Und Spike, obwohl sie in ihn
verliebt war, schien ihr auf einmal sehr fremd zu sein. Oder war sie nur in ihn
verliebt, weil er so fremd war?
Jedenfalls
konnte sie mit Max schweigen, ohne dass es einem von ihnen peinlich war, und
bei Max brauchte sie nicht so zu tun, als wäre sie interessant und intelligent
und vor allem älter als sie in Wirklichkeit war.
„Nein,
das gibt’s nicht!“ sagte Spike entgeistert, nachdem sie das zweite Haus des
Ortes erreicht hatten, oder vielmehr den Anbau des zweiten Hauses des Ortes und
Spike, neugierig wie er nun mal war, die plumpe Holztür geöffnet und auch
hineingeschaut hatte...
„Komm’
doch mal her“, er hielt Buffy einladend die Holztür auf.
„Was ist
das?“ fragte Buffy und rümpfte die Nase..
„Das, meine liebe Buffy, ist eine der
Segnungen aus uralter Zeit, na ja, damals war es wohl eine Segnung. Man nennt
es Plumpsklo!“
„Du
meinst“, Buffy schaltete schnell nach Jägerinnenart, „Plumpsklo, weil es
plumpst, wenn da was reinfällt?“
„Das ist
voll korrekt“, sagte Spike grinsend.
„Und
wieso hat dieses Plumpsklo.... äääh“, Buffy war fasziniert von dem Klo und
konnte sich von dem Anblick kaum losreißen, „zwei Sitze?“
„Zwei
Löcher, Buffy. Nur zwei Löcher. Klodeckel gibt es nicht. Und es gibt es kein
Licht und bestimmt jede Menge Spinnen“. Wieder musste Spike grinsen. „Nun, ich
denke mal, es hat zwei Löcher von wegen der Geselligkeit...“
Das
brachte Buffy zum Verstummen, zum einen wegen der Spinnen, zum anderen wegen
der Geselligkeit...
Sie
fanden übrigens heraus, dass das vierte Haus ein Gasthaus war, setzten sich auf
die hölzernen Bänke, die draußen vor dem Haus standen und bekamen von einem
freundlichen Wirtsehepaar kalte Limonade und kaltes Bier (Campes Bier)
serviert.
Natürlich
kannte das Wirtsehepaar Andromeda. Und sie kannten sogar Bill Castaway und
seinen Sohn Gwydion. Auch Buffy und Morgan kannten sie, denn der Dorfklatsch
war nicht auf Campodia beschränkt, sondern hatte weite Kreise gezogen.
Auf der
großen stillen Wiese, die direkt am Waldrand lag, tauchten übrigens nach
einiger Zeit mehrere sogenannte Hirschhasen auf, was Spike und Andromeda zu
wahren Heiterkeitsstürmen hinriss, die so laut waren, dass sie die
schreckhaften Hirschhasen vertrieben.
Und
sogar Buffy musste lachen.
Nach
zwei sehr lustigen Stunden hielten sich alle für zu müde, um zu Fuß nach
Campodia zurückzugehen, egal ob auf der Hauptstraße oder auf dem ‚gefährlichen’
Waldweg. Andromeda rief schließlich über das Telefon der Waldschenke Max an und
bat ihn händeringend, sie mit dem Landrover abzuholen.
Max war
natürlich nicht gerade begeistert, und es dauerte fast eine Stunde, bis er dann
endlich erschien. Er wollte wohl kundtun, dass er was Besseres zu tun hatte,
als Leute abzuholen, die in ihrer Selbstüberschätzung zu weit durch den Wald
gelaufen waren.
Nachdem
er Spike beim Einladen des Kinderwagens geholfen hatte, setzte Andromeda sich
zu ihm nach vorne und erzählte ihm von Buffys Hasen. Max musste lachen, und
schaute sich amüsiert nach Buffy um. Andromeda fühlte sich aus ihr unbekannten
Gründen erleichtert und entspannt. Es musste wohl an Max liegen. Die
Stadtmenschen waren so kompliziert, und man wusste nie, wie man sie zufrieden
stellen konnte.
Buffy
und Spike saßen müde mit den Kinder hinten im Landrover und wollten eigentlich
nur noch nach Hause. Buffy war erschöpft, aber wirklich angenehm erschöpft, und
ihr Kopf berührte leicht Spikes Schulter. Er duldete es, fürwahr....
Außerdem
hatten sie alle einen wahrhaft grandiosen Hunger.
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KAPITEL V Teil 2 Das Baby Andromeda (1 Jahr alt)
Sie
wusste nicht, ob ihre Erinnerungen echt waren, man hatte ihr später so viel
erzählt, dass vielleicht ihre eigenen Erinnerungen – kann man sich im Alter von
einem Jahr überhaupt an etwas erinnern – mit diesen Erzählungen vermischt
waren. Seltsamerweise sprach Max, der es eigentlich am besten wissen musste,
nicht gerne darüber, aber alle anderen Leute, egal ob sie etwas wussten oder
nicht, hatten immer bereitwillig ihren Senf dazugegeben.
Sie
erinnerte sich, und sie war davon überzeugt, es waren ihre echten Erinnerungen,
schemenhaft an das Kalte, an das Spitze, in das sie hineingekrochen war und an
das Weiße, die fürchterlichen Zähne des großen Tieres, das sie angegriffen
hatte und das nur von ihr abließ, weil es wohl annahm, sie wäre tot.
Und sie
konnte sich an das Laute erinnern, das fürchterlich laut und bedrohlich war und
an die gleißenden Lichter, die nach dem Lauten kamen. Immer abwechselnd geschah
das, ein gleißendes Licht, so dass sie vor Angst die Augen zukniff und kurz
darauf ein ohrenbetäubendes Krachen, gegen das sie nichts machen konnte, denn
sie war nicht fähig, sich ihre Ohren zuzuhalten. Sie war ja noch ein Baby, das
zwar ein bisschen laufen oder vielmehr stolpern konnte, aber dass man sich die
Ohren zuhalten konnte – was sind Ohren – davon wusste sie nichts.
Dann kam
das Nasse und saugte sich in ihren Kleidern fest und dann kam das Kalte, das
sie zum Zittern brachte. Das Kalte und das Nasse verdrängten die Schmerzen in
ihren Wunden, die von dem Tier herrührten und von dem starren borstigen
Unterholz, in das sie gekrochen war, um instinktiv Schutz zu suchen. Sie hatte
schließlich in einem Haufen Laub Zuflucht gefunden, das Laub erinnerte sie wohl
an die Decke, die sie zu Hause in ihrem Bettchen hatte, und sie grub sich
instinktiv darin ein. Das hatte ihr wohl erst einmal das Leben gerettet, aber
sie war sehr schwach.
Es
dauerte Ewigkeiten, das Kalte, das Nasse und die Schmerzen, bis sie schließlich
nur noch leise vor sich hinwimmerte. Und auf irgendetwas oder irgendjemanden
wartete, der sie von diesen Sachen erlösen würde.
Aber es
kam niemand. Sie dämmerte langsam hinüber in das Vorland des Todes.
Dann auf
einmal gab es eine Änderung.
Jemand
fasste sie an, und wieder hatte sie Angst, es wäre das große Tier, das ihr
schon einmal Schmerzen zugefügt hatte.
Aber es war
nicht das große Tier.
Jemand
streifte ihr die nassen Babysachen ab, auch ihre Windel, denn sie hatte seit
drei Tagen praktisch in ihren eigenen Exkrementen gelegen, und ihr Po war rot
und entzündet.
Jemand
legte ihr etwas trockenes warmes um und hob sie dann hoch.
Sie
fühlte, wie ihr jemand etwas an den Mund hielt und sie saugte daran. Diese
Erinnerung war wohl wirklich echt, denn Max hatte ihr einen Schokoriegel an den
Mund gehalten, weil er nichts anderes hatte, mit dem er sie füttern konnte.
Nie in ihrem
Leben würde Andromeda den Geschmack des Schokoriegels vergessen. Und diese
Erinnerung war wirklich real und konnte keine Einbildung oder das Echo von den
Erzählungen anderer Leute sein.
Max
brachte sie schließlich nach Hause.
Alles
war warm und gut.
Sie
erholte sich sehr schnell von den Strapazen dieser Tage und Nächte.
Andromeda
hatte Glück im Unglück gehabt. Der Keiler, der sie angegriffen hatte, war nicht
so degeneriert wie die seine domestizierten Artgenossen, die Hausschweine, die
von den Menschen zu Fleischfresser gemacht worden waren. Dieser Keiler wollte
Andromeda nur töten und nicht auffressen...
Das
einzige Trauma, das sie von dieser üblen Sache behielt, war eine panische Angst
vor Gewittern, bei denen sie es vorzog, sich irgendwo im Keller zu verkriechen,
um die gleißenden Blitze nicht sehen und den krachenden Donner nicht hören zu
müssen.
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Das Kind Andromeda (6 Jahre alt)
Ein
Schlachtfest auf dem Gutshof ist immer ein spektakuläres Ereignis. Für die
Männer.
Viele
Leute sind da, alle rennen geschäftig herum, und kein Mensch kümmert sich um
die sechsjährige Andromeda, die Tante Mansell ausgetrickst hat und ihr
weggelaufen ist.
Ein
fettes quiekendes Schwein wird von zwei starken Männern auf den Hof hinausgeführt,
sie halten das Schwein mit zwei Stangen fest , der Kopf des Schweins steckt in
einer Schlinge, und mit den Stangen kann man das Tier auf Distanz halten.
Das
Schwein wehrt sich und kreischt und quiekt mörderisch, aber das hilft ihm
nichts. Sie zerren es in den Hof hinaus.
Dort hat
man einen flachen hölzernen Zuber aufgestellt. Er wird dazu dienen, das Blut
des Schweins aufzufangen. Nachdem sie es mit einem Bolzenschuss getötet haben.
Früher
hätte man dem Schwein einfach nur die Kehle aufgeschlitzt, um das Blut besser
zum Fließen zu bringen, und dann starb es nach einer Weile, nachdem es immer
noch gekreischt und geheult hatte, bis sein Leben in den hölzernen Zuber
geflossen war. Daher kommt der Ausdruck: Er brüllt wie ein abgestochenes
Schwein... Aber das macht man heute nicht mehr so.
Das
Schwein scheint zu ahnen, was ihm bevorsteht. Es kreischt womöglich noch lauter
als vorher. Und das Kreischen reißt nicht ab.
Erst als
der Schlachter das Bolzenschussgerät an die Stirn des Schweins setzt und
abdrückt, herrscht endlich Ruhe. Der Schlachter hat braune Augen.
Andromeda
gerät in Panik. Das Kreischen des Schweins, die erwartungsvolle Unruhe unter
den Männern – Frauen sind fast keine da, sie scheuen das blutige Spektakel –
der laute knallende Schuss, das auf die Seite kippende Schwein, das sofort tot
ist , ein Hinterbein zuckt zwar noch, aber das sind postmortale Nervenreflexe,
all das schafft eine gewalttätige nach Blut riechende Kulisse, und sie hat
Angst.
Ihren
Daddy findet sie auch nicht. Der ist bestimmt da vorne bei dem toten Schwein,
und Andromeda traut sich nicht dahin. Der Tod riecht nach Blut und nach
Schrecken.
Das
Schwein wird mit dem Kopf nach unten an einer Wand der Stallungen aufgehängt
und vom Schlachter am Hals der Breite nach aufgeschlitzt, so dass das Blut in
die große flache Holzwanne laufen kann. Nachdem das Schwein ausgeblutet ist,
schneidet der Schlachter das tote Tier der Länge nach auf, entfernt geschickt
alle Innereien des Schweins, wirft sie in ein separates breites Tongefäss. Die
Därme des Schweins müssen gewaschen werden, damit man später Wurstmasse
hineinfüllen kann.
Das
Schwein hängt nun ziemlich leer an der Wand und ist zur Weiterverarbeitung
bereit. Es wirkt nicht mehr wie ein Lebewesen – vor ein paar Minuten war es
noch quicklebendig, aber jetzt ist es nur noch ein Lebensmittel.
Andromeda
schaut sich um, ob Max irgendwo ist. Er ist nicht mehr oft da. Er muss viel
lernen in der Hauptstadt. Er muss auch viel arbeiten, um das Lernen bezahlen zu
können, hat Daddy ihr erzählt. Und deswegen könnte er nicht mehr so oft nach
Campodia kommen. Andromeda ist traurig, dass Max nicht mehr so oft da ist wie
früher.
Plötzlich
sieht sie ihn unter den anderen Männern.
Sofort
läuft sie zu ihm hin und schiebt vertrauensvoll ihre kleine Hand in seine große.
Sie geht
ein paar Schritte mit ihm, blickt zu ihm auf und erkennt plötzlich, dass sie
sich vertan hat. Das ist gar nicht Max, sondern einer aus seiner
Verwandtschaft, der zwar einige Ähnlichkeit mit Max hat, aber bei näherer
Betrachtung eigentlich gar keine Ähnlichkeit mit Max hat.
Verlegen
lässt Andromeda die Hand des Mannes los und rennt weg.
Die
anderen Männer haben das kleine Zwischenspiel mitbekommen und lachen gutmütig.
„Bist
wohl doch nicht Max!“ sagt einer von ihnen, ein großer breiter mit slawischen
Gesichtszügen, der von den anderen Onkel Herbie genannt wird, zu dem Mann, der
mit Max einige Ähnlichkeit hat, aber bei näherer Betrachtung eigentlich gar
keine Ähnlichkeit hat.
Andromeda
ist zornig über ihren Irrtum. Und noch mehr zornig ist sie darüber, dass Max
nicht zum Schlachtfest gekommen ist.
Dann
fällt ihr ein, Max mag keine Schlachtfeste, das hat er ihr jedenfalls mal
erzählt.
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Die heranwachsende Andromeda (12 Jahre alt)
Andromeda
sitzt auf dem einzigen gut erreichbaren Ast des kleinen Lindenbaums und drückt
ihre entzückende Nase an das Fenster des Häuschens. Tatsächlich sind die
schweren Vorhänge nicht ganz zugezogen, so dass man recht gut in das Innere des
Raumes schauen kann, der sich im 1. Stock befindet.
Andromeda
sitzt dort in luftiger Höhe, um ein wenig zu spionieren.
Es ist
spät am Abend. Andromeda hat sich heimlich aus dem Haus geschlichen. Sie liebt
es, am späten Abend unterwegs zu sein. Manchmal geht sie in der Dämmerung noch
in den Wald, genießt die schaurige Stille, die dort herrscht, bekommt dann ein
wenig Angst wegen der schaurigen Stille, die dort herrscht und geht gemessenen
Schrittes wieder nach Haus, ohne sich umzudrehen, als ob sie damit die
Schrecken des Waldes abwehren oder einfach nur ignorieren kann.
Sie
verspürt Sehnsüchte, die sie nicht benennen kann. Nicht genau erklären kann.
Sie denkt an ihre Schulkameraden und besonders an einen bestimmten, den
Quarterback des Footballteams, der sich anscheinend für sie interessiert.
Eigentlich ist sie nicht der Typ für einen Quarterback. Sie liest viel, ist
nicht Mitglied der Cheerleader und gilt als leichte Streberin, Aber sie ist gar
keine Streberin, sie will einfach nur viel wissen. Aber weil sie hübsch ist mit
ihrer blendenden Figur, ihrem langen braunen gelockten Haar und ihren
wunderschönen mandelförmigem grünen Augen, sieht man ihr diese Verrücktheiten
nach.
Ich muss
aufpassen, dass, wenn ich schon früh heirate wie alle hier, ich zumindest nicht
heiraten muss. Das denkt Andromeda manchmal, wenn sie irgendwie erregt den
stillen Weg entlanggeht. Hier auf dem Land herrscht anscheinend so eine
Einsamkeit, dass die jungen Leute schon in jungen Jahren zusammenkriechen, dann
aus Blödheit ein Kind zeugen, heiraten, ein paar Jahre mehr oder weniger gut
zusammenleben – eher weniger gut – und sich dann scheiden lassen.
Die
Einsamkeit, die Stille, die Dunkelheit in der Nacht, die nicht von
Straßenlaternen aufgehellt wird, das alles erzeugt Sehnsüchte, die befriedigt
werden müssen.
Andromeda
vergisst den Gedanken an den Quarterback. Eigentlich ist er nur ein dummer,
wenn auch sehr gutaussehender Junge.
Denn
jetzt späht sie ins Häuschen hinein. Sie ist verdammt neugierig. Vielleicht
erfährt sie hier, was eigentlich so abläuft zwischen den Geschlechtern.
Natürlich weiß sie aus den Ställen, wie es zwischen den Tieren abläuft, aber
zwischen Menschen muss doch so eine Art Mysterium sein, es kann doch auf keinen
Fall so wie bei Tieren sein.
Das
Licht im Zimmer ist dämmrig, aber man kann alles genau sehen.
Allerdings
sieht das, was sie sieht, nicht wie ein Mysterium aus.
Sie
sieht einen Mann und eine Frau, die sich gegenseitig entkleiden und sich dann
küssen. Der Mann streichelt die Frau, die anscheinend aufstöhnt, Andromeda kann
es nicht hören, aber das Gesicht der Frau sieht so aus...
Die Frau
lässt sich auf das breite Bett fallen, der Mann beugt sich über sie und küsst
langsam ihre Brüste und dann ihren Bauch.
Andromeda
verspürt selber ein leichtes Ziehen in den Brüsten und tiefer, aber sie ist so
fasziniert von dem Akt, dass sie diese Gefühle verdrängt.
Dann
wendet der Mann sich noch etwas tiefer. Er scheint Zeit zu haben.
Die Frau
allerdings bekommt auf einmal ein verzerrtes Gesicht und sagt etwas zu ihm,
nein sie keucht es. Andromeda meint von ihren Lippen lesen zu können, wie sie
keucht: Nicht nicht, komm. Bitte. Bitte...
Der Mann
richtet sich auf, er lächelt, er wendet sich zu einem kleinen Tisch neben dem
Bett und nimmt dort etwas, packt es aus und streift es sich über sein Glied –
Andy weiß, dass das ein Kondom ist – beugt sich dann über die Frau und dringt
langsam mit seinem Glied in sie ein.
Andromeda
hat es sehen können. Natürlich ist es nicht so groß wie von einem Hengst,
aber... wenn sie sich vorstellt, das in sich zu haben, das wäre ... wieder
verspürt Andromeda ein leichtes Ziehen im Unterleib, aber wieder ignoriert sie
es.
Die Frau
blickt nun mit ziemlich blöden Augen vor sich hin, wie Andromeda meint. Sie
klammert sich an den Mann und hebt ihre Beine hoch und schlingt sie um seinen
Rücken. Dann auf einmal bäumt sie sich auf, und ihr Körper zuckt ein paar
Sekunden lang konvulsisch (konvulsisch fällt Andromeda spontan ein, obwohl sie
gar nicht genau weiß, was das heißt) und will nicht aufhören zu zucken.
Konvulsisch...
Der Mann
beobachtet sie aufmerksam bei diesen Zuckungen. Bei diesen konvulsischen
Zuckungen, und es scheint ihm zu gefallen.
Als sie
ausgezuckt hat, entfernt er sich aus ihr, dreht sie um und zieht sie so, dass
sie vor ihm kniet und ihre Arme sie weiter vorne abstützen. Er dringt diesmal
von hinten in sie ein, seine Finger sind vorne an ihrer... und die Frau kann
sich auf einmal nicht mehr abstützen aus irgendwelchen Gründen, und sie droht
nach ein paar Stößen von ihm nach vorne zu fallen, aber er hält sie fest und
beschleunigt seine Stöße, bis auch sein Gesicht sich ein wenig verändert, aber
bei weitem nicht so extrem wie zuvor das Gesicht der Frau.
Andromeda
hat genug gesehen. Sie haben es von hinten getrieben, es gibt kein Mysterium,
Menschen sind genauso wie Tiere.
Und
Andromeda kann die Frau nicht leiden. Warum, das weiß sie nicht, denn es gibt
eigentlich keinen Grund dafür.
Sie
klettert gewandt den Baum wieder hinunter.
Leider
stolpert sie beim Hinunterklettern über das Motorrad, das irgendein Idiot vor
dem Haus abgestellt hat und an das sie nicht mehr gedacht hat.
Andromeda
kann nirgendwohin, denn der Hof wird von zwei Straßenlaternen gut beleuchtet,
und wenn sie weglaufen würde, könnte man sie vom Fenster aus sehen. Also meint
sie, das Beste was sie machen kann, ist sich jetzt ganz still und sozusagen
unsichtbar zu verhalten Vielleicht entdeckt man sie dann nicht.
Leider
klappt das nicht so ganz.
Nach ein
paar Sekunden geht das Licht hinter der Haustür an, und der Mann, den sie die
ganze Zeit beobachtet hat, kommt heraus.
Er hat
sich auf die Schnelle eine Jeans angezogen, sonst trägt er nichts.
Zielsicher
wendet er sich nach rechts zu dem Baum, hinter dem Andromeda steht – scheinbar
unsichtbar steht – er packt Andromeda am Kragen ihrer Bluse und hebt sie ein
bisschen hoch und schaut ihr forschend ins Gesicht.
„Was zum
Teufel machst du hier? Was hast du gesehen?“ Seine Stimme klingt besorgt.
„Nichts,
was ich nicht schon mal bei Tieren gesehen hätte“, sagt Andromeda trotzig. „Und
ich wusste es, es ist kein Mysterium...“
„Oh Gott!“
sagt Max. „Doch, es ist ein Mysterium. Mit der richtigen Frau. Vielleicht...“
Letzteres murmelt er nur vor sich hin.
„Ist sie
deine Freundin?“ fragt Andromeda freundlich.
„Nnnein,
jjaaa, ach was weiß ich!“ Max ist immer noch ziemlich verwirrt. Der Gedanke,
dass Andromeda ihn eben beim Liebesspiel beobachtet hat, macht ihn ziemlich
verlegen.
Demnächst
wird er die Vorhänge richtig zuziehen und zur Sicherheit die Haustür
abschließen, damit Andromeda auf keinen Fall etwas mitbekommt von dem
angeblichen Mysterium zwischen Mann und Frau.
Sie hat
recht, es ist kein Mysterium, nicht für ihn, es ist nur die nackte Lust, die
ihn ab und zu dazu treibt, eine Frau ins Verwalterhaus zu holen. Er hat keine
Probleme, eine Frau zu finden. Er hat eher Probleme, sie wieder loszuwerden,
wenn das Vergnügen schal geworden ist und die Zuneigung – von Liebe ganz zu
schweigen – sich nicht einstellen will.
Zwei im
Grunde wunderbare Frauen haben ihn schon verlassen, weil er emotional einfach
nichts auf die Reihe kriegte. Sie wollten zuviel von ihm, und er konnte es
ihnen nicht geben. Seine letzte längere Beziehung hielt drei Monate lang, und
beim Abschied sagte sie: „Du empfindest für dieses Kind mehr als für mich!“
Irgendwie
hatte sie nicht unrecht. Aber er konnte nichts daran ändern. Weder an seinen
fehlenden Gefühlen, noch an seinem nicht vorhandenen Interesse an einer
Partnerschaft mit einer dieser Frauen, die bei Lichte betrachtet großartige
Frauen waren.
Vor
allem die eine, und er hatte es wirklich bereut, sie gehen zu lassen. Aber
trotz dieser seiner Reue war er hinterher erleichtert, als sie weg war. Diese
eine hätte eigentlich seine Idealfrau sein müssen. Sie studierte das gleiche
Fach wie er und das als Frau, was schon außergewöhnlich war, denn es gab
praktisch keine Frauen unter den studierten oder nicht studierten Landwirten.
Sie war intelligent und schön und im Bett einfach sensationell. Warum also
hatte es nicht mit ihr geklappt?
Eigentlich
wollte er ja mit einer Frau richtig zusammensein, aber er konnte es einfach
nicht, zumindest nicht für längere Zeit.
Max
hatte irgendwann aufgehört, sich über das Scheitern seiner Beziehungen Gedanken
zu machen.
Es war
eben so, und er konnte es nicht ändern. Nicht wirklich ändern.
~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*
KAPITEL V Teil 3
Spike
fixierte das kleine gerahmte Foto, das an der Wand hing, und er erinnerte sich:
Die
Kaiserin in Irland, 1881, ein Jahr, nachdem er zum Vampir gemacht wurde,
Elisabeth von Österreich, die er belauscht hatte, als sie in diesem seltsamen
Raum trainierte. Spike hatte vorher noch nie eine Frau mit Hanteln trainieren
sehen, die Kaiserin war die erste, sie hatte anscheinend das moderne
Fitnesstraining erfunden.
Spike
ahnte, warum sie so versessen trainierte, sie wollte ihren Körper in Form
halten, ihre Schönheit konservieren – obwohl Spike dafür ein besseres Mittel
gehabt hätte... Aber die anderen hatte ihn ja daran gehindert, der Kaiserin das
(fast) ewige Leben zu schenken.
Nun gut,
Andy schien Elisabeth zu bewundern, und Spike erinnerte sich auch daran, dass die
gute Sissi einst als beste Reiterin der Welt gegolten hatte.
„Das
sind die Bücher von Lilah“, erzählte Andy und wies auf ein gut gefülltes
Bücherregal, das rechts vom Fenster in die Wand eingebaut war. Spike war von
Andromeda eingeladen worden, sich mal ihr Zimmer anzuschauen.
„Ich
habe sie alle gelesen, die meisten schon, als ich neun war.“
Spike
trat neugierig näher, zog vorsichtig ein Buch aus der obersten Reihe und las
den Titel des Buches vor: „Lady Chatterley“.
„Das
hast du mit neun gelesen?“ fragte er zweifelnd.
„Na
klar. Und ich habe alles verstanden“, behauptete Andy stolz.
„Ist ja
nicht weiter schlimm. Da ist nichts drin, was anstößig wäre für so ein zartes
Alter von neun Jahren“, meinte Spike lächelnd, überflog flüchtig die anderen
Titel in dieser Reihe und war froh, dass ‚Die Geschichte der O’ nicht dabei
war. Das hätte er dann doch als anstößig empfunden, diese Geschichte um den
Masochismus einer Frau, die sich einem Mann total unterwirft, in allen
sexuellen Spielarten – und schließlich von ihm weitergereicht wird an einen
Freund. So etwas sollte ein kleines Mädchen wirklich nicht lesen. Aber in den
siebziger Jahren, oder waren es die sechziger, war das Buch tatsächlich eine
sexuelle Offenbarung gewesen. Für Menschen natürlich nur...
„Schau
an, was haben wir denn hier?“ Spike nahm den Roman ‚Lolita’ aus dem Regal und
blätterte ihn geringschätzig durch.
„Hat
Lilah die Bücher geerbt oder was?“
„Ich
glaube, diese Bücher stammen von einer älteren Tante. Ja stimmt, sie gehörten
irgendwann Tante Mansell, meine Mutter hat Tante Mansell mit nach Campodia
gebracht, und Lilah hat ihre Bücher bekommen. Als Lilah das Haus verkauft hat,
wollte sie die Bücher nicht wegwerfen und hat sie mir gegeben. Sie hat immer
gesagt: Auch der größte geschriebene Mist hat einen Sinn, nämlich den Mist
darin zu erkennen. Und sie hat auch immer gesagt: Es gibt nichts, was nicht an
subjektiver Idiotie irgendwann auf Papier verewigt worden ist.“
„Da
hatte sie, verdammt noch mal, recht!“
„Obwohl,
das mit Lolita“, Andy nahm Spike den Roman aus der Hand, „kann man doch
verstehen oder? Ein ganz junges Mädchen, noch keine Frau, könnte doch anziehend
auf einen viel älteren Mann wirken. Was meinst du?“
„Vielleicht...
Ich glaube allerdings, er hat das anders gemeint und sich an Mädchen aufgegeilt,
die noch keine richtigen Frauen waren, weil er Angst vor richtigen Frauen
hatte.“ ereiferte sich Spike. „Und die amerikanische Verfilmung, zumindest die
aus den Sechzigern, ist unter aller Sau. Lolita wird als blutjunge pralle
Sexbombe dargestellt im neckischen Baby-Doll, und das hat Vladimir so nicht
gemeint...“
„Du
findest also junge Mädchen nicht attraktiv, Bill?“ Andy hatte Spike bei seinem
letzten Satz gar nicht richtig zugehört.
„Das
habe ich nicht gesagt. Natürlich sind sie schön... Aber für meinen Geschmack
fehlt ihnen doch einiges.“ Spike blickte Andy forschend an, als er das sagte.
„Du
meinst, sie können noch keine richtige Liebe empfinden?“
„Das
ist... äääh, das weiß ich nicht“, Spike zuckte zusammen, als ihm ein bestimmter
Gedanke kam. „Wie alt bist du jetzt, Andy?“
„Fast
sechzehn.“
„So
jung... Obwohl... manche Frauen verlieben sich schon mit fünfzehn, und es ist
für ihr ganzes Leben. Ich kenne da eine...“ Spike lächelte, aber sein Lächeln
wirkte verkrampft und ähnlich starr wie eine Maske.
„Wen
meinst du?. Kenne ich sie?“ fragte Andy gespannt. Obwohl, woher sollte sie
diese Frau oder dieses Mädchen kennen.
„Du
kennst sie“, sagte Spike. „Es ist Buffy.“
„Buffy?“
„Es ist
Buffy“, bekräftigte Spike nach einer kurzen Weile und entschloss sich von einem
Augenblick zum anderen, die Maskerade aufzugeben, denn Andy hatte es nicht
verdient, dass man sie belog. Und er wollte die Situation entschärfen, er
wollte nicht, dass Andromeda sich in etwas verstrickte, was unmöglich war.
Und er
hatte die Schnauze voll von dem Theater.
Er hatte
es satt, von Max ignoriert zu werden, denn Max war eifersüchtig, weil die
kleine Andromeda wohl ein bisschen in ihn, Spike, verknallt war. So ein
verkalkter Bastard war er noch nicht geworden, dass er so etwas nicht bemerkt
hätte. Egal, er wollte sich mit Max anfreunden, denn er mochte diesen
verschlossenen jungen Mann irgendwie. Max schien auch ein dunkles Geheimnis zu
haben. So wie Spike.
Allerdings
dachte Spike verbittert, dass er selber wohl zehntausende von kleinen und
größeren dunklen Geheimnissen hatte.
„Außerdem
sind wir verheiratet, sie ist nicht nur mein Kindermädchen und die Mutter von
Morgan, nein, wir sind wirklich verheiratet.“
Andy
stieg das Blut ins Gesicht, und sie fühlte förmlich, wie ihr irgend etwas in
der Herzgegend wehtat.
Sie war
geschockt. Spontan trat sie zwei Schritte zurück. Sie hatte zwar gespürt, dass
zwischen Bill und Buffy etwas war, aber dass sie verheiratet waren, das konnte
nicht sein. Oder? Doch, es stimmte. Bill würde sie nie anlügen.
Bill war
für sie verloren. Wieder schmerzte irgend etwas in ihrer Herzgegend, nein
falsch, ihr ganzer Körper schmerzte.
„Und das
war Buffy? Sie hat sich mit fünfzehn schon in dich verliebt?“ Andy riss sich
mühsam zusammen, um Bill nicht ihre Verzweiflung zu zeigen.
„Nicht
doch. Du verstehst das falsch. So war es nicht. Sie hat sich mit fünfzehn in
einen anderen verliebt. Und der ist ihre große Liebe.“
„Wenn
sie dich nicht liebt“, fragte Andy so grausam wie nur die Jugend fragen kann,
„warum hast du sie dann geheiratet? Moment mal, Lilah kann doch erst ein paar
Wochen tot gewesen sein, als....“
„Richtig“, gab Spike zu, „aber es war wegen der Kinder. Ich wollte die Kinder schützen.“ Und dann erzählte er Andromeda alles:
Über seine vielen verschiedenen Namen. Über sein Leben. über seinen Tod. Über sein ‚Leben’ als Vampir und über das Morden... Über seine Liebe zu Drusilla. Über Drusillas Krankheit und die daraus folgende Reise zum Höllenschlund. Über seine erste Begegnung mit der Jägerin. Über Angel und die Jägerin. Über sein Bündnis mit der Jägerin. Über den Chip. Über die Gefühle zur Jägerin, die Gefühle, die er zuerst träumte, sie zum Verrecken nicht haben wollte, sie aber doch zulassen musste. Weil es nicht anders ging. Über den Tod der Jägerin. Über die Wiedererweckung der Jägerin. Über die wochenlange wilde sexuelle Beziehung zur Jägerin. Über die versuchte Vergewaltigung. Und die daraufhin folgende Zurückweisung durch sie. Über die Wiedererlangung seiner Seele. Über seine neue Beziehung zur Jägerin. Über die Liebe der Jägerin zu Angel. Über das Amulett und den Tod in der Höhle. Ende. Aus. Nein, nicht ganz. Man holte ihn zurück. Als Mensch, und es war Lilahs Firma, die das bewerkstelligt hatte. Aber unabhängig davon hatte das Amulett ihn aus unerfindlichen Gründen auserwählt und ihm neue Kräfte verliehen.
Und schließlich über Lilah. Und dass sie wohl die erste Frau war, die ihn wirklich liebte. Eine ganz neue Erfahrung für ihn. Und gleichzeitig ein Maßstab... Über Lilahs Tod. Über die Zerstörung von W&H nach ihrem Tode, von ihr geplant und ausgeführt durch Casio. Über W&H, die nicht kaputt zu kriegen waren, denn in Chicago gab es noch eine Filiale... Über die Jägerin, die eine Tochter von ihm hatte und die er schützen wollte, genauso wie er seinen Sohn schützen wollte. Vor W&H. Über die Heirat mit der Jägerin....
Spike
musste schließlich tief Luft holen, denn es war alles erzählt.
Andromeda
hatte ihm gebannt zugehört. Seltsamerweise war sie nicht erstaunt oder
schockiert ob der Tatsache, dass Spike ein Vampir gewesen war. Das Wissen um
Vampire und andere Dämonen schien ihr irgendwie vertraut, obwohl sie vorher
noch nie von der Existenz solcher Wesen gehört hatte. Aber in einem Winkel
ihres Bewusstseins hatte sie es immer schon gewusst. Wieso gewusst? War ihr im
Augenblick vollkommen egal.
Und
allmählich dämmerte ihr, dass Spikes frühere Existenz als Vampir und die
dazugehörende über hundert Jahre alte Erfahrung seine ungeheure Ausstrahlung,
sein Charisma erklärte, das immer noch auf viele Frauen so überwältigend
wirkte. Und das, obwohl er mittlerweile ein Mensch war.
Aber nicht die Vampirsache hatte sie wirklich geschockt, sondern die Ehesache. Dass Bill, oder Spike, wie er richtig hieß, verheiratet war.
Allerdings
machte ihr auch die Neugier zu schaffen. Was ist eine Jägerin? Wie wird man
eine Jägerin? Ist es vielleicht angeboren?
„Dann
ist Buffy also die Jägerin?“ Andromedas Gedanken flogen wild ihrem Kopf herum,
sie musste das alles erst einmal verdauen, dieses ganze Zeug über blutrünstige
Vampire – Spike war einer gewesen – und Jägerinnen, die gegen diese Vampire
kämpften. Und über Jägerinnen, die sich manchmal in diese Vampire verliebten.
Und über Vampire, die sich manchmal in Jägerinnen verliebten.
„Das ist
sie“, bestätigte Spike.
„Und
wann hast du dich“, diese Frage erschien Andy auf einmal sehr wichtig, „in sie
verliebt? Ich meine, wie alt war sie da?“
„Als es
mir bewusst wurde?“ Spike dachte nach. „Ich glaube, da war sie ungefähr
achtzehn oder neunzehn...“
„Liebst
du sie immer noch?“ fragte Andy gewissenhaft.
All ihre
Träume waren den Bach hinunter gegangen. Ihre Liebe zu ihm war sinnlos. Er war
in Wirklichkeit uralt, und er hatte Dinge erlebt, die für sie unvorstellbar
waren. Sie war seine angeheiratete Nichte und auch viel zu jung für ihn. Und
außerdem war er verheiratet mit der Jägerin. Und er stand auf ältere Frauen,
wie es schien.
„Keine
Ahnung“, gestand Spike ratlos.
Diese
Antwort erweckte in Andy wieder den Schimmer der Hoffnung. Es konnte doch nicht
sein, dass er für sie verloren war. Das wäre zu grausam.
„Wenn
sie dich nicht liebt“, Andys Stimme klang verzweifelt, „warum bleibst du dann
bei ihr. Sie liebt doch diesen anderen...“
„Ich
habe gesagt, es ist wegen der Kinder“, Spike entschloss sich hart zu sein. „Und
auch, wenn sie mich liebt oder nicht liebt – oder ich sie liebe oder nicht
liebe – es ist egal, ich habe soviel Strafe und Qualen verdient, dass ich damit
klarkommen muss.“
„Bill,
du tust mir so leid“, Andy streckte ihre Hand aus und fuhr zart mit der Hand
über seine zernarbte Augenbraue. Er war für sie verloren, aber zu ihrer
Verwunderung verspürte sie eine seltsame Erleichterung darüber. Und es tat
nicht mehr so weh wie vor ein paar Minuten. Was hatte sie sich denn
vorgestellt? Eigentlich nur ein paar Küsse, na ja vielleicht ein bisschen mehr,
aber sie hatte sich nie richtig ein Leben mit ihm vorstellen können. An einem
bestimmten Punkt hatten ihre Liebesfantasien immer stagniert, alles hatte
aufgehört zu sein und war sozusagen im Nichts verlaufen...
„Nenn
mich Spike. Das ist mein wahrer Name.“ Spike nahm ihre Hand von seinem Gesicht
und küsste sie leicht auf die Wange, bevor er sich wieder zurückzog.
„Ich bin
ein ziemlich verkorkster Typ. Ich hoffe, du verliebst dich nicht in so einen
wie mich, wenn du dich mal verlieben wirst.“ Spike mochte dieses Mädchen
wirklich, sie kam seinem Idealbild von einer Frau, abgesehen von ihrer Jugend
natürlich, sehr nahe, sie war geradeheraus, sie sah Lilah ähnlich, und sie
flirtete nicht so dämlich herum wie Buffy, was er wirklich verabscheute. Auch darin
ähnelte Andromeda ihrer Tante Lilah. Leider kann man sich aber nicht aussuchen,
wen man liebt....
„Bestimmt
nicht“, sagte Andy mit leicht zitternder Stimme.
„Ach
Kitten! Ich gehe mit dir jede Wette ein, dass du ein cleveres Mädchen bist.“
„Ich
weiß nicht. Ich heiße nicht umsonst Andromeda.“
„Wie
meinst du das, Kitten?“ Spike verstand sie nicht. „Ich kenne nur das Sternbild
Andromeda. Man sieht aber nur zwei, drei Sterne, es ist nicht besonders
ausgeprägt, das einzig interessante an ihm ist der Andromedanebel, die
Schwesterngalaxie der Milchstraße.“ Spike hatte echt Ahnung von Astronomie, wie
man sieht, und er liebte es, darüber zu dozieren...
„Ich
meine damit die griechische Sage. Ich bin Andromeda, aber wo ist mein Perseus?“
Und
Andromeda wiederum hatte echt Ahnung von griechischen Sagen, vor allem von der
Perseus-Sage, in der die Königstochter Andromeda einem Meeresungeheuer geopfert
werden soll – weil ihre Mutter Kassiopeia die Götter beleidigt hat – und dann
von dem strahlenden Helden, dem Halbgott Perseus, Sohn von Zeus und der Danae
gerettet wird. Von Perseus gerettet wird, der für Andromeda die abscheuliche
Medusa bezwingt und sie heiratet, natürlich nicht die abscheuliche Medusa,
sondern Andromeda.
„Die
Geschichte hinkt aber“, sagte Spike lächelnd. „Deine Mutter hat bestimmt nicht
die Götter beleidigt. Und außerdem brauchen die Mädchen heutzutage keinen
Perseus mehr, die können sich gut selber helfen. Du vor allen Dingen...“
Andromeda
seufzte in sich hinein.
„Ich
kann dir ja mal meinen Freund Snikkers vorstellen, der ist auch ein Halbgott,
aber für'n Halbgott ist er ein ziemlich armes Schwein....“
Wieder
seufzte Andromeda in sich hinein.
„Du
wirst deinen Perseus schon irgendwann finden. Und vielleicht hast du ihn ja
schon gefunden.“ Spike dachte dabei vage an Max, der Andromeda damals im Wald
entdeckt und wahrscheinlich vor dem Tode gerettet hatte. „Aber wie gesagt,
Kitten, du brauchst ihn nicht wirklich.“
Hier
irrte Spike, er irrte nicht oft, aber hier irrte er....
„Wäre
aber trotzdem schön, wenn...“, Andromeda sah betrübt aus.
„Weißt
du was, geh’ doch mal zu Buffy und sprich mit ihr.“
„Später
vielleicht. Eigentlich wollte ich zu Max. Darf ich es ihm erzählen?“
„Er ist
kein Schwätzer, oder?“
„Max ein
Schwätzer? Nein!“ Andromeda musste lachen.
„Geh trotzdem
mal zu Buffy.“
„Warum...
Spike?“ Der Name ‚Spike’ kam erst nach einigem Zögern aus Andromedas Mund, und
er klang nach Verzicht und Trauer.
„Weil
ich glaube, dass du selber eine Jägerin bist.“
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KAPITEL V Teil 4
„Dawn?
Bist du da?“ Die Verbindung war nicht gut, und Buffy konnte ihre kleine
Schwester kaum verstehen.
„Buffy,
kannst du mich jetzt hökrrrrrakks?“
„Jetzt
ist es besser. Wie geht’s dir, Dawnie?“
„Mir
geht’s gut. Aber nett, dass du dich auch krrrrrakks meldest.“
„Ich
konnte dich nicht früher erreichen“, sagte Buffy bedauernd. „Ja, über sechs
Wochen sind wir schon hier, man merkt gar nicht, wie die Zeit vergeht.“
„Habt
ihr denn auch Gwydions krrrrrakksgefeiert... ?“
„Natürlich
haben wir Gwydions Geburtstag gefeiert. Er hat allerdings die meiste Zeit
geschlafen. Aber die kleine Torte, die Tante Bernadette gebacken hat, die war
echt süß... Er hat übrigens zum erstenmal Mama zu mir gesagt! Ist das nicht
Wahnsinn!“
„Ich
konnte ihm krrrrrakks nichts schenken....“
„Was soll‘s,
du kannst ihm später was schenken, wenn wir wieder in Woodcape sind. Vielleicht
ist er dann alt genug, um es zu würdigen... Er ist so süß, jeder liebt ihn. Ich
kann jetzt reiten, ist das nicht irre?“ Buffys Rede war etwas sprunghaft.
„Du und krrrrrakks?!?“
„Na und?
Warum sollte ich’s nicht können! Weißt du überhaupt, wie hoch man auf einem
Pferd sitzt? Mein Pferd ist zwar nicht ganz so groß wie das von Spike, aber man
kommt sich vor, als säße man drei Meter über dem Erdboden...“
„Hahakrrrrrakks...“
„Du
brauchst nicht zu lachen, ich kann es. Das Pferd heißt Conny, und er ist ganz
lieb. Er frisst unheimlich gerne Äpfel. Ist ein irres Gefühl, wenn er mit
seinem weichen Maul vorsichtig einen Apfel aus meiner Hand nimmt.“
„Und was
krrrrrakks ihr sonst noch so?“
„Jede
Menge. Wir haben einen Pool im Haus. Ich schwimme viel, vor allem am frühen
Morgen. Wir fahren und laufen in der Gegend rum, und reiten tun wir natürlich
auch. Ich darf natürlich noch nicht alleine draußen reiten, sondern muss immer
in einer Gruppe reiten. Wir haben Rehe und Plumpsklos gesehen. Zuerst hab ich
gedacht, es wären Hasen. Die Rehe natürlich, nicht die Plumpsklos. Es ist immer
schönes Wetter hier, heiß am Tage, aber kühl in der Nacht. Ich lese viel in der
Bibliothek. Manchmal sitzen wir auf der Terrasse oder im Garten und sonnen uns.
„Krrrrrakks
auch?“
„Wer?
Spike? Nein, der hat’s nicht so mit der Sonne. Der sitzt meistens im Schatten.“
„Hätte
mich auch krrrrrakks....“ murmelte Dawn.
„Morgan
spielt gerade mit zwei anderen Kinder aus dem Dorf im Sandkasten. Sie
kommandiert die anderen Kinder herum wie ein Feldwebel. Ich frage mich, von wem
sie das hat... Im Garten ist auch ein ziemlich großes Planschbecken, das
Gejohle ist kaum zu ertragen, wenn die Kinder alle drin sind. Gwydion rollt
gerade mit seiner Lauflernhilfe auf der Terrasse herum wie ein Irrer. Kannst du
das hören? Wir nennen ihn auch den kleinen Blitz. Und er versucht auch schon,
ohne das Ding zu laufen. er läuft so auf den Zehenspitzen! Süß ist das.
Natürlich nur, wenn ihn jemand festhält, ohne Festhalten hat er noch Angst.“
„Hört
sich an, als wären die Kinder sehr krrrrrakks...“
„Irre
beschäftigt! Die toben den ganzen Tag so herum, dass sie am frühen Abend total
kaputt ins Bett fallen. Und wenn wir wirklich mal was dringendes zusammen
vorhaben, dann gibt es hier ein Ehepaar, ein kinderloses Ehepaar, das geiert
geradezu danach, auf die Kids aufzupassen.
„Könnt
ihr denen denn krrrrrakks?“
„Ich
denke schon. Archie kennt die Leute schon seit Jahrzehnten und verbürgt sich
für sie. Aber wir brauchen eigentlich gar keinen. Die Kinder sind so lieb – na
ja Morgan ist zwar nicht ganz so lieb, kann ein richtiges Aas sein – und ich
könnte es nicht lange ohne sie aushalten. Und wir müssen ja auch vorsichtig
sein.“
„Wegen W
und krrrrrakks?“
„Ja.
Spike meint, wir könnten keinem trauen, den wir nicht kennen. Andererseits sind
Tante Mansell und Tante Bernadette so lieb, dass ich ihnen nichts Schlechtes
zutraue. Für Tante Mansell ist Gwydion der einzige noch lebende Verwandte von
Kassiopeia, außer Andromeda natürlich. Und für Tante Bernadette ist Morgan
irgendwie ein Ersatz für ihr totes Enkelkind. Und wir können die Kinder ja auch
nicht vierundzwanzig Stunden am Tag bewachen...“
„Wer zum
Geier ist Kassio....“
„Das ist
Lilahs verstorbene Schwester.“
„Ach
so... Übrigens, ist Morgan immer noch so krrrrrakks auf Spike?“
„Oh ja,
immer noch. Sie liebt ihn abgöttisch.“ Buffys Stimme klang nun etwas
nachdenklich. „Wie alle Frauen anscheinend.“
„Wie krrrrrakks
du das?“
„Na
ja... Hier ist so ein junges Mädchen, übrigens ist sie die Tochter von
Kassiopeia und somit Spikes Nichte, sie kam mir von Anfang an irgendwie
besonders vor, und jetzt weiß ich auch warum, also, ich glaube, sie ist in
Spike verschossen. Andererseits, jetzt hat sie wohl eingesehen, dass es
zwecklos ist.“
„Was!!!
Und wie krrrrrakks ist die?“
„Sie wird bald sechzehn. Sie ist wirklich eine Schönheit. Und sieht sie fast aus wie Lilah. Jedenfalls von weitem. Ach ja, das hatte ich vergessen, sie ist ’ne Jägerin... Deshalb kam sie mir von Anfang an besonders vor. Spike hat das vor kurzem rausgekriegt. Ich trainiere jetzt immer mit ihr.“
„Das ist
ja wohl ein krrrrrakks!!!“
„Ja, das
ist wirklich ein Hammer. Aber ich bin eben nicht mehr die einzige...“
„Und
Spike? Denkt er noch viel an krrrrrakks?“
„Ich
weiß nicht. Er denkt bestimmt noch an sie, aber ich meine, in den letzten
Wochen guckt er nicht mehr ganz so gequält, wenn von ihr die Rede ist. Ich
schätze mal, irgendwann ist er endgültig drüber hinweg.“
„Und
habt ihr...?“
„Neeiin, neeeiin, da läuft nichts... Ist wahrscheinlich noch zu früh. Und ich kann warten.“ Nun klang Buffys Stimme ein wenig traurig. „Aber ich hab jetzt lange genug von mir geredet. Was machst du denn so?“
„Ich
habe viel zu krrrrrakks an der Uni...“
„Ach, da fällt mir noch was ein, wir waren Drachenfliegen. Das war echt geil. Und morgen früh gehe ich auf die Felder zum Erbsenpflücken. Das ist so eine Tradition, die Max ins Leben gerufen hat. Der lässt die Gäste hier richtig arbeiten. Die Frauen aus dem Dorf brauchen das Geld fürs Pflücken aber wirklich. Und dann gibt es später die Bohnenfelder, falls ich auf den Geschmack kommen sollte.
„Wer zum
krrrrrakks ist Max?“
„Max ist
der Verwalter, er sieht übrigens sagenhaft gut aus, groß, dunkelhaarig und mit
wirklich athletischer Figur... Also wenn ich nicht Spike lieben würde, dann...
Aber ich hätte sowieso keine Chance bei ihm.“
„Warum
nicht?“
„Er ist total vernarrt in Andromeda und guckt keine andere Frau an. Leider nicht....“ Trotz dieser Worte hatte Buffys Stimme keinen bedauernden Unterton. Sie nahm es wohl nicht besonders schwer, dass sie bei Max nicht landen konnte
„Andromeda...
Ist das die krrrrrakks?“
„Ja
genau, Andromeda, das ist die Jägerin. Und gleichzeitig auch Spikes Nichte. Die
ist so dämlich, dass sie nichts davon merkt. Oder es ist ihr egal.“
„Wovon
nichts merkt?“
„Dass
Max in sie verknallt ist. Dass sie eine Jägerin ist, das hat sie schon
geschnallt. Aber ich glaube, ihre Kräfte sind anders gelagert als bei mir, sie
ist nicht so stark wie ich, sondern sie hat dafür eine unglaubliche
Selbstheilungskraft, und die hat sie verdammt noch mal auch gebraucht, bei
allem, was sie als Baby schon durchmachen musste.“
„Was
denn?“
„Das
erzähl ich dir irgendwann einmal... So, ich muss Schluss machen. Ich muss ein
bisschen reiten üben, denn wir wollen demnächst einen Ausflug in die Berge
machen, und bis dahin muss ich perfekt sein im Reiten, sonst nehmen sie mich
nicht mit.“
„Das von
Max hört sich gut an. Ist in Campodia eventuell auch ein krrrrrakks für
mich dabei?“ fragte Dawn hoffnungsvoll.
„Nein,
das war’s dann schon. Außer vielleicht dem Dorfpapagalli Onkel Herbie, oder
Moment mal, einen weiß ich noch... Archie! Aber der ist zu alt. Obwohl, er
sieht noch verdammt gut aus, und er ist ein wirklicher Gentleman. Und Spike ist
eifersüchtig auf ihn, weil er mir den Hof macht. Archie weiß nämlich immer noch
nicht, dass wir verheiratet sind. Das wissen nur Max und Andy. Und Spike denkt
doch tatsächlich, ich merke nicht, dass er eifersüchtig auf seinen Schwager
ist.“ Buffy kicherte vor sich hin..
„Wie alt?“, fragte Dawn misstrauisch.
„Na gut,
so an die fünfzig, aber wie gesagt....“
„Du hast
wohl nicht alle krrrrrakks im Schrank, das ist ja ein Tattergreis!“
empörte sich Dawn. „Das war wohl nix. Na egal... Wie lange bleibt ihr denn
noch?“
„Ich schätze
mal bis Anfang September, dann muss Spike mit seinem Studium anfangen. Ach, ich
will hier nicht weg!“ Buffys Stimme klang ein wenig verzweifelt.
„Oh
Mann!“ Auch Dawnies Stimme klang ein wenig verzweifelt, denn bis jetzt war sie
praktisch nicht zum Reden gekommen. Sie war nur die Stichwortgeberin. Mehr
nicht.
„Hör’ mal Dawnie, die Verbindung ist so schlecht, dass ich fast nichts verstanden habe – warum kommst du nicht hier vorbei? Ich bezahl’ den Flug, und von Boise aus könnten wir dich mit dem Auto abholen.“
„Ich
kann nicht, hab’ zuviel zu lernen. Leider...“
„Schade...
Okay, dann eben nicht. Mach’s gut, Dawnie!“ Buffy legte den Hörer auf und eilte
zwei Sekunden später in die Reithalle.
© Ingrid
Grote 2004 Fortsetzung HIER
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