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bEST of bLOG


Heras Vermächtnis

Diese Story sollte die Fortsetzung von ‚Seid ihr bereit?’ sein, aber dann nahm die Sache plötzlich eine ganz andere Richtung. Was weiß ich, wieso!

Eigentlich war das Thema erledigt. Ich habe alle meine Versuchungen und alle meine Schwierigkeiten aufgezeigt, die mir beim Abgewöhnen des Rauchens so begegnet sind, und ich hatte eigentlich gedacht, man würde mich verstehen. Und ich hatte ferner gedacht, ich hätte eine richtig nette Geschichte hingekriegt, zwar nicht übermäßig brillant und auch nicht besonders originell, aber... nett eben.

Und dann kommt mein Freund Jörg an und sagt zu mir: „Also diese Geschichte, die über das Rauchen, wie hieß sie noch mal... Die fand ich nicht so gut.“

Nicht so gut? Ich glaube, ich war etwas verblüfft.

„Das Abgewöhnen ist doch nicht schwer, Man nimmt sich das vor, und dann macht man es einfach. Schreib doch besser was über das Zunehmen nach dem Abgewöhnen.“ Das war Jörgs lapidarer Kommentar zu meiner Geschichte.

„Hmmm....“

Typisch! Freund Jörg bestätigte alle Vorurteile, die ich in ‚Seid ihr bereit‘ angedeutet hatte. Dass die Männer es angeblich viel leichter schaffen, sich das Rauchen abzugewöhnen oder dass sie dieses zumindest behaupten. Mein Freund Jörg war das wandelnde Klischee meiner Story, denn er hatte nicht zum erstenmal versucht, sich das Rauchen abzugewöhnen, erst dieses Mal schien es aber geklappt zu haben, und jetzt war er schon seit Monaten clean. Aber alles was vorher war, das hatte er wohl vergessen.

„Sag mal, Jörgilein... Wie viele Fahrstunden hast du gebraucht, um deinen Führerschein zu machen?“ Heimtückisch wie ich nun mal bin, musste ich ihn das fragen. Und taktvoll, wie ich nun mal bin, erinnerte ich ihn nicht an seine vielen erfolglosen Versuche, sich das Rauchen abzugewöhnen.

„Äääh was?“ Er stutzte kurz, bevor er mir eifrig erzählte: „Den hab ich bei der Bundeswehr gemacht.“ Und schon wollte er anfangen, mir noch mehr Geschichten über die Bundeswehr zu erzählen. Er hatte sich nämlich damals für vier Jahre verpflichtet und war auf einem U-Boot gewesen, und er zehrt immer noch davon. Es war wohl die beste Zeit seines Lebens gewesen. Wie sie in Norwegen die Mädels gef... äääh angemacht hatten und so weiter und so fort.

„Schon gut schon gut“, ich würgte ihn ab. Leider konnte ich aus seinem Gerede nicht erkennen, wie viele Fahrstunden er für den Führerschein gebraucht hatte. Vielleicht mehr als zwei? Vielleicht drei? War ja auch egal. Ich hacke nicht gerne auf selbsterstellten Doktrinen herum, obwohl bei Männern wahrscheinlich jede noch so absurde Doktrin wahr ist.

„Ich bin so fett geworden.“ Jörgs Stimme klang resignierend.

„Finde ich nicht“, sagte ich aufmunternd. Ich log nicht, er war wirklich nicht fett, er war vielleicht nicht mehr ganz so dünn wie früher, und das nicht ganz so Dünne hatte sich auf seinen Hüften und auf seinem Bauch abgesetzt, aber er war nicht fett!

„Ach schau‘s dir doch an!“ Er lief nervös im Zimmer herum, wie er es immer tat..

„Mein Gott, man wird eben älter. Hast du denn Probleme mit den Frauen?“ Ich kenne Jörg schon so lange, da kann ich ruhig solche heiklen Themen anschneiden.

„Nee, eigentlich nicht.“ Jörg machte ein verzweifeltes Gesicht. „Ich krieg immer noch welche fürs Bett. Und das wundert mich eigentlich. Ich bin jetzt schließlich schon vierzig. Und so wie ich aussehe...“

Wahnsinn Jörg. Du steht mit einem Bein schon im Grabe. Was soll ICH denn sagen? Ich bin mittlerweile 55 Jahre alt, und beschwere ich mich? Nein.

Nun erging er sich in detaillierten Schilderungen seines Aussehens. Er hatte seiner Meinung nach einen Rettungsring um seine Taille bekommen. Seine Figur war allgemein schlaff geworden und er fand sich zu blass aussehend.

„Bevor du dir das Rauchen abgewöhnt hast, da hast du doch auch schon über deine Figur gemeckert.“

„Aber jetzt ist es ganz extrem geworden. Ich müsste unbedingt was tun, aber du weißt ja, wie faul ich bin...“

„Hmmm...“ Ja, das weiß ich. Letztes Jahr hatte er angeregt, schwimmen zu gehen, und nachdem wir zweimal sonntags morgens schwimmen waren, da hatte er auf einmal keine Lust mehr und lies es sein. Ich allerdings machte weiter, und das Schwimmen bekam meiner Figur und meiner Konstitution ausgezeichnet.

Aber wieder zu Jörg: Der Gute hatte immer schon gern Schokolade gegessen. Mitten in der Nacht Schokolade gegessen. Mehrere Tafeln Schokolade manchmal gegessen, denn Jörg gehört zu den Menschen, bei denen das Glückshormon, das angeblich beim Verzehr von Schokolade im menschlichen Körper freigesetzt wird, auch wirklich freigesetzt wird, und er gehört auch zu den Menschen, denen Schokolade wirklich schmeckt. Ich selber kann Schokolade nur in kleinen Mengen zu mir nehmen, und der Verzehr von Schokolade beeinflusst meine Stimmung nicht sonderlich, eher im Gegenteil, denn die Vorstellung, durch die Schokolade dicker zu werden, macht mich nicht gerade glücklicher.

„Ich kann mich selber nicht mehr im Spiegel sehen“, härmte Jörg weiterhin herum, während er weiter nervös im Zimmer herumlief.

„Dann verhäng doch die Spiegel.“ Ein ernstgemeinter Ratschlag von mir, denn das Nicht mehr in den Spiegel gucken oder vielmehr das haarscharfe daneben gucken, das praktiziere ich in letzter Zeit selber. Mitte fünfzig sieht man nicht mehr so schnuckelig aus wie früher, aber was mir da manchmal aus dem Spiegel entgegenschaut, das kann ich einfach nicht glauben. Das bin doch nicht ich! Oder doch?

„Wie gesagt, fürs Bett kriege ich immer noch Frauen.“

„Tja, das ist doch gut“, sagte ich. Jörg hat meines Wissens nur einmal für längere Zeit mit einer Frau zusammen gewohnt, und die hat ihn dann verlassen. Glaube ich jedenfalls. Hat er damals einen Knacks wegbekommen? Glaube ich eigentlich nicht. Ich glaube eher, er hat noch nie die richtig große Liebe erlebt. Aber er ist recht begehrt. Im Augenblick ruft ihn dauernd ein Mädel an und will ihn zu allen möglichen Aktivitäten einladen. Er zeigte mir ein Foto von ihr. Gar nicht schlecht, die Kleine, aber sie ist anscheinend überhaupt nicht sein Typ.

„Aber was willst du?“ fragte ich ihn. Mein Freund Jörg ist ein Mann, und eben deswegen kann ich ihn schwer verstehen, obwohl ich ihn schon so lange kenne. Was will er? Er will, so erzählt er mir jedenfalls, sein Leben ändern, er will eine Frau kennen lernen, die er lieben kann und die ihn auch liebt. Und er hofft, dass er dann mit seinem Geld besser klar kommt, dass sie ihn in den Hintern tritt und....

„Ach, sonst willst du nix?“

Er musste lachen.

„Was ist denn mit deiner früheren Freundin, dieser Marlene. Die immer noch nicht geheiratet hat, diese Musikerin?“

„Ich kann doch jetzt nicht bei der ankommen, was sollte ich der denn bieten?“

Ja, was konnte er einer Frau bieten? Ich musterte ihn genauer. Er sah wirklich nicht übel aus, 1,80 groß, recht schlank mit kurzgeschorenem Haar, das in der Mitte allerdings schon etwas zurückgegangen war, aber es stand ihm. Mit markanten Gesichtszügen, er trug schon seit Ewigkeiten eine Brille, aber auch sie stand ihm. Er hatte einen weit ausgreifenden Gang wie ein alter Seebär, das mochte wohl von seiner Vergangenheit auf dem U-Boot herkommen.

Nun die inneren Werte: Er behandelte Frauen immer sehr höflich, hielt ihnen die Autotür auf und war auch sonst sehr fürsorglich, wie ich schon am eigenen Leibe verspürt hatte. So etwas ist durchaus nicht unangenehm und heutzutage wirklich selten.

Weiter: Er konnte richtig tanzen, das hatte er letztens erzählt, und alle anderen Männer hatten sich darüber kaputtgelacht, diese Banausen und Nichttänzer. Jörg hatte allerdings nicht aus Leidenschaft das Tanzen gelernt, sondern um leichter Frauen anmachen zu können, der Schlingel.

Er ging ab und zu ins Theater. !!! Ja wirklich, ins Theater, ohne dass eine Frau ihn erst in den Hintern treten musste. Das war wirklich beeindruckend.

Er hatte Abitur, aber irgendwie war er nicht richtig weitergekommen.

Er sprach ein überaus perfektes Deutsch mit einem leichten norddeutschen Einschlag – siehe U-Boot – und er hatte von vielen Sachen Ahnung. Er konnte sich mit jedem unterhalten, wobei er manchmal allerdings in Schwatzhaftigkeit verfiel. Da müsste man noch dran arbeiten, Ich stellte mir da so eine Art Schwatzhaftigkeitsregler vor...

Er hatte Arbeit. Einen relativ sicheren Job. Er war kein Sesseldrücker (den anderen Ausdruck möchte ich hier nicht verwenden), sondern ein solide ausgebildeter Fachhandwerker.

Alles in allem ein Prachtkerl. Ein Prachtkerl, der allerdings langsam in die Jahre kam. Dennoch sah er für seine vierzig Jahre recht attraktiv aus.

Er hatte nur ein winziges Problem. Er konnte nicht gut mit Geld umgehen, aber ich denke, dass ist verzeihlich, denn wenn man alleine lebt, dann ist alles doppelt so teuer.

Allmählich erwachte mein Interesse. Das wäre doch gelacht, wenn man den guten Jörg nicht unter die Haube kriegen würde. Unter meinen Freundinnen befand sich allerdings nichts Passendes, sie waren entweder zu alt oder zu jung, etwas in der mittleren Altersklasse war nicht vorhanden. Und er kannte sie auch schon alle.

Arbeitskolleginnen? Nee, da war auch nichts dabei. Um Gottes Willen.

Vielleicht sollte ich mal eine Anzeige für ihn aufgeben. Was würde ich schreiben? Vielleicht das:

Suche für einen Freund, gut aussehend, schlank (ich finde, dass er schlank ist) solide (ich hoffe, dass er solide ist) und fürsorglich, eine unabhängige (soll heißen nicht von Sozialhilfe lebende) Frau bis 40, sie soll hübsch sein und durchsetzungsfähig (und einen nicht zu kleinen Busen haben, ich glaube, das hatte er mal erwähnt).

Sonst noch was? Jörg hatte auch mal erwähnt, dass er nicht unbedingt Kinder haben wollte, aber das konnte ich vernachlässigen, denn wenn die RICHTIGE Frau Kinder haben wollte, dann würde sie ihn schon davon überzeugen. Oder er würde es sich selber wünschen. Ich glaube, Jörg wäre ein guter Vater, denn ich habe gesehen, wie er mit seiner kleinen Nichte umging. War richtig süß.

Und sie sollte aus dem Ruhrgebiet kommen. Denn Jörg und sie sollten sich hier in irgendeiner Stadt eine gemeinsame Wohnung nehmen, sonst wäre alles für die Katz.

Allmählich überkam mich ein sonderbares Gefühl, ich fühlte mich stark und mächtig, und dann – blitzartig – hatte ich die Erkenntnis: Ich fühlte mich wie die Göttin Hera, nein nicht wie die rachsüchtige Hera, die immer den armen Herkules gequält hat, sondern wie die erhabene Hera, die mächtige Hera, die Schutzpatronin und Förderin der Ehe. Hera hatte Besitz von mir ergriffen.

Oh ja, das Wunderwort Ehe. Ein Wort, so weich und verheißungsvoll und so wunderbar.

Dieser Mann musste verheiratet werden. Ich konnte diesen Mann meinen Geschlechtsgenossinnen nicht vorenthalten. Obwohl... Wenn er nun dadurch unglücklich wurde. Wenn er die Falsche bekam...

Quatsch, ich bin auch verheiratet, und es ist gar nicht so schlecht. Man findet das große Glück möglicherweise nicht in der Ehe, aber alleine sein ist auch nicht gerade der Brüller.

Es gibt kein permanentes Glück, weder in der Ehe noch im Alleinsein, denn das Glück ist ein Sekundärzustand, der nicht permanent sein kann, weil ein Sekundärzustand eben ein von anderen Zuständen abhängiger Zustand ist, eben ein  Sekundärzustand – und kein Primärzustand. So ist das Leben eben. Basta! Aber trotz dieser Erkenntnis oder gerade deswegen muss die Ehe geschützt werden...

Habe ich da eben philosophiert? Das ist überhaupt nicht mein Ding. Philosophieren ist nicht Sache der Frauen, die haben Wichtigeres zu tun, als über Sinn oder Unsinn des Lebens nachzudenken. Und wieso verstehe ich meine Gedankengänge überhaupt nicht? Sekundärzustand, Primärzustand.... Böhmische Dörfer.

Und mein Zeus ist ja auch nicht gerade der ideale Ehemann, Der mit seinem Fremdgehen, egal ob mit Göttinnen oder mit sterblichen Weibern, dieser Hurenbock, der mit seinen unehelichen Bälgern, die er so heiß und innig liebt...

Wieso Zeus? Mein Mann heißt doch gar nicht Zeus und fremdgehen tut er auch nicht. Ich hatte wohl eben einen kleinen Blackout. Wo war ich? Ach ja.

Also liebe Frauen, wenn Ihr im Ruhrgebiet lebt, selbstständig seid (arbeiten geht), einen guten konservativen Mann wollt, der einer Frau noch was bieten will, wenn Ihr eventuell noch Kinder haben wollt (da kann man bestimmt was dran drehen), wenn Ihr nicht ganz ohne Busen seid, gerne ins Theater und Tanzen geht, wenn Ihr Spaß im Bett haben wollt (ich glaube, das kann er...), wenn Ihr ein bisschen originell seid und Niveau habt, wenn Ihr nicht unbedingt Bock auf Haushalt habt (Jörg hält seine Wohnung ausgezeichnet in Schuss, dagegen bin ich eine Schlampe), wenn Ihr einen Mann mögt, der Tiere liebt und der jeden verprügeln würde, der ein Kätzchen quält. Wenn Ihr...

Verdammt noch mal, was tue ich da überhaupt? Der Mann ist doch so gut, der braucht meine Hilfe doch gar nicht. Oder doch?

Und außerdem wollte ich doch nur irgend etwas über Männer schreiben, über die Macken der Männer und ihre blöden Behauptungen. Irgend etwas darüber, dass Männer immer alles schneller und leichter können als Frauen...

Klingt irgendwie uninteressant. Was kann man von Männern auch groß erwarten. Die sind eben so. Also, wen juckt’s.

Denn jetzt muss ich erst einmal Heras Vermächtnis erfüllen. Jörg war der Göttin schon viel zu lange ausgewichen, und das war ein großes Unrecht. Mann darf die Göttin nicht verachten.

Also noch einmal, liebe Frauen, wenn Ihr im Ruhrgebiet lebt, selbstständig seid, einen guten konservativen Mann wollt, der einer Frau noch was bieten will, wenn Ihr eventuell Kinder haben wollt, wenn Ihr nicht ganz ohne Busen seid, gerne ins Theater und Tanzen geht, wenn Ihr Spaß im Bett haben wollt, wenn Ihr ein bisschen originell seid und Niveau habt, wenn Ihr nicht unbedingt Bock auf Haushalt habt, wenn Ihr einen Mann mögt, der Tiere liebt und der jeden verprügeln würde, der ein Kätzchen quält. Wenn Ihr...

Wenn Ihr nur zwei, nein besser drei dieser Bedingungen erfüllt, dann meldet Euch bitte bei mir.

Wir werden ihn schon unter die Haube kriegen.

 

Gruß Hera

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